Altenbruch, St. Nicolai
Orgel von Johann Hinrich Klapmeyer (1727/30), erbaut unter Benutzung umfangreicher alter Substanz

Kontakt:
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Gemeinde E-mail: ingo.duwensee(at)ewetel.net

Informationen in Kürze

Ein einzigartiges Instrument ist die Orgel in der St. Nicolai-Kirche in Cuxhaven-Altenbruch, deren Baugeschichte sich über mehr als zwei Jahrhunderte (1497 bis 1727) erstreckt. Die Restaurierung dieser für die Orgellandschaft zwischen Elbe und Weser und darüber hinaus bedeutenden Orgel durch „Jürgen Ahrend Orgelbau“ wurde im Frühjahr 2004 abgeschlossen.

Altenbruch, St. Nicolai, Klapmeyer-Orgel

Altenbruch, St. Nicolai

Bilder

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Daten zur Orgel:

Disposition:
(35 / HW/RP/BW/Ped)

Oberwerk
Quintadohn 16' Fr/*
Principahl 8' Fr
Gedackt 8' Fr
Octav 4' Fr
Waldflöt 2' Fr
Mixtur V Fr
Simbel III Fr
Trommeth 8' Kl
Vox humana 8' Kl




Pedal
Untersatz 16' ä/*
Prinzipahl 8' Kl
Gedackt 8' Dr
Octav 4' Dr
Mixtur IV Dr
Posaun 16' Fr/Dr
Trommeth 8' Fr/Dr
Corneth 2' **/A

Rückpositiv
Principahl 8'
Gedackt 8' Fr/*
Quintadöhn 8' Fr
Octav 4' ä/Dr
Gedackt 4' Fr
Nasat 3' ä
Super Octav 2' Dr
Blockflöt 2' ä
Sexquialtera II Fr
Scharff IV Fr
Dulcian 16' Fr
Kromphorn 8' Fr/Dr

Brustwerk
Gedacktes 8' Kl
Gedackt 4' Kl
Super Octav 2' Kl
Quint 1 1/2' alt (?)
Scharff III Kl
Knop Regal 8' Kl

Pfeifenwerk:
ä = vor 1647
* = z.T. aus Pfeifenmaterial von 1498
Fr = H.Chr.Fritzsche
Dr = Matth. Dropa
Kl = J.H. Klapmeyer
** = unter Verwendung älterer Becher, die durch R. v. Beckerath bereits 1967 Verwendung fanden
A = Ahrend

Manualumfänge: C,D,E,F,G,A, - c'''
Pedalumfang: C,D,E - d'

Klaviaturen (alt)

Ventile für alle Werke
Tremulant ganzes Werk
Tremulant RP
2 Zimbelsterne
Manualkoppel BW an HW

ursprünglich 8 jetzt 4 Bälge

Winddruck: 77 mm WS
Tonhöhe: a’ = 478,6 Hz bei 18° C' (Chorton, ca. ½ Ton über „heute normal“)
Stimmung: Werckmeister III modifiziert

Bau-/Restaurierungsgeschichte

Im Jahre 1497 wird ein Vertrag zum Bau einer Orgel mit 6 Registern mit Johannes Coci (Bremen) geschlossen.
Am 6.12.1498 wird die neue, noch nicht ganz vollendete Orgel das erste Mal gespielt.

1561 wird die Orgel um ein zweites Manualwerk (Rückpositiv / möglicherweise von Matthias Mahn aus Buxtehude) erweitert. 1577 Arbeitet M. Mahn wiederum an der Orgel

1621 arbeiten Antonius und Henricus Moitzen (Buxtehude) an der Orgel.

Am 17.9.1647 wird mit Hans Christoph Fritzsche (Hamburg) ein Kontrakt zur Renovierung der Orgel geschlossen. Unter Verwendung der alten Register soll die Orgel 9 Register im Hauptwerk, 11 im Rückpositiv und 5 in einem Pedalturm bekommen.
1649 werden die Arbeiten abgeschlossen.

1667, 1668 und 1679 führt Joachim Reichborn (Hamburg) Reparaturen an der Orgel durch.

1697 bis 1700 erweitert Matthias Dropa (Hamburg) das Pedal und Rückpositiv (neue Windladen und wenige neue Register)

1727 bis 1730 verlegt Johann Hinrich Klapmeyer die Orgel aus dem Chor auf eine neue große Westempore unter Beibehaltung der alten Substanz. Er erweitert das Instrument um ein Brustwerk und erstellt zwei neue Pedaltürme mit neuem Prospektprincipal. Die gesamte Orgel wird im technischen und klanglichen Bereich grundlegend überholt. Die Altenbrucher Orgel hat nun 9 Register im Hauptwerk, 12 im Rückpositiv, 6 im Brustwerk und 8 im Pedal.
Johann Hinrich Klapmeyer (ca. 1690 bis 1757) war Sohn von Johann Werner Klapmeyer (gest. 1720), der als Orgelbauer von Glückstadt und Krempe aus wirkte. Er wird als Geselle Schnitgers 1684 das erste Mal erwähnt. Johann Werner baute 1703 bis 1719(?) eine neue Orgel in Bützfleth, wodurch es zu eine Auseinandersetzung zwischen Schnitger und seinem ehemaligen Gesellen kam, da Schnitger das Orgelbauerprivileg für diese Region besaß. Jedoch durfte Klapmeyer weiterbauen, da der Kontrakt bereits unterzeichnet war.
Johann Hinrich Klapmeyer lernte sein handwerk beim Vater, stand somit in der großen Tradition des qualitätsvollen Orgelbaus in Norddeutschland. Arbeiten von ihm sind für Herzhorn bei Glückstadt (1721 Neubau), Bützfleth (1724 Reparatur), Altenbruch (1727 – 30 Umbau und Erweiterung), Neuenkirchen in Norderdithmrschen (1734 – 38 Neubau), Boldixum auf Föhr (1735 Neubau) und Wesselburen (1736 – 38 Neubau) nachzuweisen. Vollständig erhalten ist nur seine Arbeit in Altenbruch. Prospekte ud einige Pfeifenreihen sind in Neuenkirchen, Boldixum und Wesselburgen erhalten.
Klapmeyer besaß als Orgelbauer ein Höchstmaß an orgelbauerlichen Fähigkeiten. Er bewies dieses dadurch, dass er in Altenbruch das Pfeifenwerk aus 3 Jahrhunderten zu einer Einheit zusammenführte, zu einer außergewöhnlichen Einheit verschmolz und durch eigenes Pfeifenwerk ergänzte. Klapmeyer wird das alte, übernommene Pfeifenwerk überarbeitet und neu Intoniert haben, um es so einheitlich zu gestalten, wie es sich bis 1956 präsentierte.

Nach diesem großen Umbau arbeiteten so bedeutende Orgelbauer wie Dietrich Christoph Gloger (1745), Johann Paul Geyke (1767), Vater und Sohn Wilhelmy (zwischen 1784 und 1857) und Johann Hinrich Röver (1884 bis 1921) an der Orgel, ohne dass das Instrument wesentliche Veränderungen erfuhr.

Im Jahre 1925 wurde die Orgel in äußerst behutsamer Weise durch Karl Kemper (Lübeck) restauriert. Hierbei wurde die klangliche Eigenart des Instrumentes nicht angetastet. Hans-Henny Jahn, der auf dieses Instrument aufmerksam wurde, veranlasste und begleitete als Sachverständiger diese Arbeiten. Das Orgelwerk war so beeindruckend auf Jahn, dass es wegweisend für die Entwicklung der Orgelbewegung wurde.
Noch 1956 befand sich die Orgel in einem ausgezeichneten klanglichen Zustand, der als "das eindrucksvollste Klangbild von allen erhaltenen Orgelinstrumenten im Nordsee-Küstengebiet" beschrieben wurde.

In den Jahren 1956 bis 1958 wurde eine Restaurierung durchgeführt, die das Instrument stark veränderte und heute als Irrweg angesehen wird. Einige der einschneidenden Veränderungen, die diese Restaurierung mit sich brachte, konnten durch Rudolf von Beckerath 1967 wieder rückgängig gemacht werden.

Die Altenbrucher Orgel mit ihrem nahezu vollständig erhaltenen Pfeifenwerk und dem eindrucksvollem Prospekt, worin sich in Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal jeweils ein Principal 8' befindet, wurde in den Jahren 2003/2004 erneut restauriert. Damit bekam eine der bedeutendsten historischen Orgel Norddeutschlands ihr ursprüngliches, einzigartiges Klanggewand und eine adäquate mechanische und technische Anlage wieder. Diese Arbeiten wurden durch Orgelbau Jürgen Ahrend aus Leer-Loga (Ostfriesland) ausgeführt.

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland