Bützfleth, St. Nicolai
Orgel der Gebr. Hillebrand (1985/85) im Gehäuse von Johann Werner Klapmeyer (1719)

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Informationen in Kürze

1719 stellt Johann Werner Klapmeyer aus Glückstadt in der Bützflether Kirche ein neue Orgel mit Hauptwerk, Brustwerk und Pedal fertig, das in der großen Tradition der Schnitger-Schule steht. 1901 muss die Orgel einem neuen Instrument weihen, welches dem Geschmack jener zeit verpflichtet ist. lediglich das Gehäuse der Barockorgel bleibt erhalten. Nachdem die spätromantische Orgel aus der Werkstatt Furtwängler und Hammer 1946 im Sinne der Orgelbewegung neobarockisiert wurde, versagt sie nach und nach ihre Funktion. Ein Orgelneubau im Sinne Klapmeyers unter Verwendung des historischen Gehäuses wird von der Orgelwerkstatt Hillebrand 1986 fertig gestellt.

Bützfleth, St. Nicolai, Hillebrand-Orgel im Gehäuse von J.W. Klapmeyer

Bützfleth, St. Nicolai

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Daten zur Orgel:

Disposition:
(22 / HW/BW/ Ped)

Hauptwerk
Principal 8’ (ab D)
Rohrflöte 8’
Oktave 4’
Nasat 3’
Oktave 2’
Sesquialtera 2 fach
Mixtur 4 fach
Zimbel 2 fach
Trompete 8’

Brustwerk
Gedackt 8’
Hohlflöte 4’
Oktave 2’
Quinte 1 1/3’
Sesquialtera 2 fach
Scharff 3 fach

Pedal
Subbaß 16’
Prinzipal 8’
Oktave 4’
Mixtur 4 fach
Posaune 16’
Trompete 8’
Cornett 2’

Gehäuse von Johann Werner Klapmeyer/Krempe

Manualumfänge: CDE – d’’’
Pedalumfang: CDE – d’
Manualkoppel, Pedalkoppel I, Tremulant, Zimbelstern

Winddruck: 76 mm WS
Tonhöhe normal
Stimmung: nach Werkmeister III

Eine veränderte Neuaufstellung der Orgel nach Beendigung der Kirchensanierung wurde ebenfalls durch Orgelbau Gebr. Hillebrand, Altwarmbüchen 2001 durchgeführt.

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland

Bau-/Restaurierungsgeschichte

In der Kirche zu Bützfleth existierte bereits vor 1600 eine Orgel. In Zusammenhang mit Reparaturen und Umbauten werden die Orgelbauer Matthias Mahn und Antonius Moitzen aus Buxtehude genannt, weiterhin auch Tobias Brunner aus Lunden (Dithmarschen) und Joachim Richborn aus Hamburg.

Am 21. November 1703 schloss die Gemeinde Bützfleth ein Vertrag über den Neubau einer Orgel mit Johann Werner Klapmeyer aus Glückstadt ab.

Johann Werner Klapmeyer war wohl Schnitgers Geselle und arbeitete längere Zeit bei ihm. Er gehört jedenfalls zu den frühesten Gehilfen Schnitgers. 1687 heiratete er in Krempe (Holstein) nahe Glückstadt und arbeitet von dort aus. 1703 siedelte er nach Glückstadt über und starb dort wohl 1720.

Über den Vertrag zum Bau der Orgel in Bützfleth gab es Streit mit Schnitger, der sich gegen diesen Vertrag wehrte, da er das Orgelbauerprivileg in dieser Region (ehem. Herzogtümer Bremen-Verden) besaß. Allerdings konnte Klapmeyer diesen Neubau doch ausführen und stellte das Instrument allerdings erst 1719 fertig. Außer den Zwistigkeiten mit Schnitger waren wohl auch die unruhigen Zeiten durch die Auseinandersetzungen der Schweden und Dänen in der Region Stades daran Schuld.

Die Orgel, in der neun Register aus der Vorgängerorgel weiterhin Verwendung fanden, hatte folgende Disposition:

Hauptwerk
Principahl 8’
Quintadena* 16’
Gedackt 8’
Octav 4’
Nasat Quint 3’
Octav 2’
Sex Quialter 2 fach
Mixtur 5 fach
Zimbel 2 fach
Tromet 8’

Brustwerk
Quinta D(iskant) 8’
Hohlflöht 4’
Sex Quialter (2 fach)
Nasat 1 ½’
Octav 2’
Scharfes 3 fach

Pedal
Prinzipahl 8’
Untersatz 16’
Octav 4’
Mixtur 4 fach
Posaun 16’
Tromet 8’
Cornet 2’

Manualumfang C(DE) – c’’’, Pedalumfand CDE – d’, Tremulant, Manualkoppel, 5 Bälge
* = während des Baues hinzugefügt. Dieses Register Quintadena 16’ ist im Kostenanschlag nicht aufgeführt.

Für seine Arbeit wurde Klapmeyer mit insgesamt 4650 Mark entlohnt. Ein uns nicht bekannter Bildschnitzer aus Glückstadt bekam 120 Mark Lübisch für die geschnitzten Ohren.

1724 führt der Sohn Klapmeyers, Johann Heinrich (Glückstadt) eine Reparatur an der Orgel durch. Weiterhin wurde die Bützflether Orgel durch Stader Orgelbauer gepflegt und repariert. Im Jahr 1753 arbeiteten Dietrich Christoph Gloger und 1794/95 Georg Wilhelm Wilhelmy an der Orgel. Auf diese letzte Baumaßnahme, bei der Wilhelmy wie an vielen andern Orgeln Akkordglocken einbaute, bezieht sich eine Inschrift an der Schauseite der Orgel.

1901 wurde die Bützflether Orgel dem Zeitgeschmack geopfert und die Fa. Furtwängler und Hammer baute in dem veränderten alten Gehäuse ein gänzlich neues Orgelwerk mit pneumatischen Kegelladen und 19 Registern auf 2 Manualen und Pedal sowie verschiedene Spielhilfen. Die Prospektpfeifen blieben zunächst als stumme Pfeifenfront erhalten. Da sie aber aus Zinn waren, mussten sie 1917 für Kriegszwecke abgegeben werden. Sie wurden später nach dem Kriege durch Zinkpfeifen ersetzt.

Disposition der Furtwängler & Hammer – Orgel von 1901:

I. Manual
Bordun 16’
Prinzipal 8’
Gamba 8’
Hohlflöte 8’
Octave 4’
Rohrflöte 4’
Mixtur 2.3.4 fach
Trompete 8’
Dolce 8’

II. Manual
Geigen Prinzipal 8’
Harmonieflöte 4’
Aeoline 8’
Lieblich Gedackt 8’
Spitzflöte 4’

Pedal
Violon 16’
Subbaß 16’
Principalbaß 8’
Cello 8’
Posaune 16’

Manualumfänge: C – f’’’ Pedalumfang C – d’
Manualkoppel, Pedalkoppel, Oktavkoppel I. Man, Oktavkoppel II. Man, Kalkant,
Druckknöpfe für: Tutti, Forte, Mezzoforte, Piano, Handregistratur
Jalousieschweller für II. Manual (mit Zeiger)
pneumatische Kegelladen

1946 wurde diese Orgel im Zusammenhang mit der Abstützung des Dachreiters und der erneuten Vergrößerung der Orgelempore um etwa 2 Meter vorverlegt. 1946 erfolgt eine Änderung der Disposition durch die Fa. Hammer (Hannover). Eine Überholung der Orgel war außerdem notwendig geworden, da die Pneumatik der Orgel nicht störungsfrei funktionierte.
Danach besaß die Orgel folgende, neobarocke Disposition:

I. Manual
Prinzipal 8’
Bordun 16’
Hohlflöte 8’
Octave 4’
Rohrflöte 4’
Quinte 2 2/3’
Waldflöte 2’
Mixtur 4 fach
Trompete 8’

II. Manual
Lieblich Gedackt 8’
Spitzflöte 4’
Prinzipal 2’
Quinte 1 1/3’
Terzian 2 fach

Pedal
Subbaß 16’
Prinzipalbaß 8’
Choralbaß 4’
Blockflöte 2’
Posaune 16’

Manualumfang C – f’’’ Pedalumfang C – d’
Nebenregister:
Manualkoppel, Pedalkoppeln: Man I an Ped und Man II. an Ped, Oberoktavkoppel I (bis g’), Oberoktavkoppel II
Spielhilfen: Knöpfe für Tutti, Forte, Mezzoforte, Piano, Handregister

Tonhöhe: normal (a’ = 440 Hz)
Stimmung: gleichschwebend
Winddruck: 85 mm WS
Windsystem: Gebläse Ventus
1 großer Magazinfaltenbalg
1 Ausgleichsbalg
Windladen: Kegelladen
Spieltraktur: Pneumatisch
Regierwerk: Pneumatisch

Bemerkenswert ist, dass bei der Dispositionsveränderung zumeist nicht neu Register gefertigt wurden, sondern Cello 8’ zu Choralbass 4’, Geigenprinzipal 8’ zu Prinzipal 2’, Aeoline 8’ zu
Quinte 1 1/3’, Gamba 8’ zu Quinte 2 2/3’, Dolce 8’ zu Waldflöte 2’ umgestellt wurden und durch wenige neue Pfeifen ergänzt wurden. War die Furtwängler & Hammer-Orgel von 1901 in sich noch ein geschlossener, der Romantik verpflichteter Klangkörper, konnte auf diese Weise der Umdisponierung kein homogener, neuer Klang entstehen.
1976 wurden zunehmend Mängel an der Orgel festgestellt, sodass Planungen begannen, die Orgel durch einen Neubau hinter dem Denkmalprospekt zu ersetzen.

Die Orgel wurde dann von der Fa. Gebr. Hillebrand (Altwarmbüchen) gebaut und im Jahre 1986 fertig gestellt. Dabei wurde das alte Gehäuse wieder in seine ursprüngliche Form zurückgebracht und es wurde ein neues Instrument gebaut, dessen Konzept eng demjenigen Klapmeyers folgt.

1997 musste die Orgel leider für eine umfangreiche Kirchenrestaurierung abgebaut werden.
In der ersten Jahreshälfte 2002 wurde die Orgel, die in der Orgelbauwerkstatt Hillebrand eingelagert war, wieder eingebaut.

Literatur:
Golon, Peter: Historische Orgeln im Landkreis Stade, Stade 1983
Orgelakten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Akten des Orgelsachverständigen Martin Böcker (Stade)