Buttforde, St. Marien
Orgel von Joachim Richborn (1681)

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Informationen in Kürze

In der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Feldsteinkirche in Buttforde steht bis heute ein fast original erhaltenes Orgelwerk von Joachim Richborn aus dem Jahre 1681.
1803 wurden durch Gerhard Jannsen Schmid die Flügeltüren durch geschnitzte Ohren ersetzt. Alfred Führer führte 1949 Erneuerungsarbeiten durch und tauschte die Trompete 8’ aus. Trotz der nahezu gleichstufigen Stimmung der Orgel gibt sie bis heute eine nahezu unangetasteten Klang des späten 17. Jahrhunderts wieder.

Buttforde, St. Marien, Richborn-Orgel

Buttforde, St. Marien

Bilder

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Daten zur Orgel:

Disposition:
(9 / I/angeh. Ped.)

Manual
Principal (P) 8' o
Gedackt 8' o
Octave 4' o
Flöte 4' o
Nassat 3' o
Octave 2' o
Sexquialtera II o
Mixtur V o
Trompete 8' n

Pfeifenwerk:
o = Joachim Richborn, Hamburg (1681)
n = A. Führer, Wilhelmshaven (1949)

Manualumfang: CDEFGA - d'''
Pedal (angehängt): CDEFGA – d`

Windladen o
Klaviaturen: Manual o/n, Pedal n

Winddruck: 65 mm
Tonhöhe : ca. ½ Ton über normal
Stimmung: leicht ungleichstufig

Bau-/Restaurierungsgeschichte

Aus der Orgeltopographie von Walter Kaufmann (Quellen: hauptsächlich aus dem Staatsarchiv Aurich) und den Akten des Orgelrevisors ist über die Baugeschichte der Orgel folgendes zu entnehmen, was sich möglicherweise noch aus anderen Quellen ergänzen ließe:

1681 Joachim Richborn (Hamburg) erbaut die (erste) Orgel auf der „Apostelböhn“ über dem steinernen Lettner. Der Prospekt war ursprünglich mit Flügeltüren versehen (wie heute noch der Richborn-Prospekt in Pakens). Wie J. B. Arend in seiner „Landesbeschreibung vom Harlingerland“ (herausgegeben von H. Reimers, Wittmund 1930) überliefert, ist die Orgel durch Freigebigkeit vieler Musikliebenden, „sonderlich aber durch ... Sorgfalt Herrn Pastoris Johannes Coneri kostbar und mühsamst herbeigeschaffet ..., durch welchen sie auch vermittelst einer Orgelpredigt und Orgelmusik ... ist solemniter eingeführt worden“. Johannes Conerus war 1665-1690 Pastor in Buttforde.

1691 Der Prospekt wird „illuminieret“.

1710 Kostenanschlag von Johann Lübben (Jever): Die Windlade und der Windkanal müssen nachgesehen, der Tremulant und die 3 Bälge müssen repariert werden. – Durchstimmung, „weilen das Orgel itzunder fast unbrauchbar ist“.

1787 Visitation: Eine Reparatur ... ist höchst nötig.

1803 Orgelbauer Gerhard Janssen Schmid (Leer/Oldenburg) arbeitet in Buttforde. Vermutlich hat er dabei die Flügeltüren am Prospekt durch das seitlich angesetzte Rankenwerk ersetzt und die klassizistisch geprägten Urnen zwischen den Pfeifentürmen über den Zimbelsternen hinzugefügt.

1946 Gutachten des Orgelpflegers Wolfgang Pahlitzsch (Emden): ... ein Werk von höchstem Denkmalswert und bestem Klanggut. Die Orgel befindet sich jedoch arg im Zerfall und muß unbedingt so bald als möglich einer gründlichen Erneuerung durch einen sachkundigen Orgelbauer unterzogen werden. Die Pfeifen sind sehr mitgenommen: umgeknickt, verbeult, verschmutzt und an den Rändern durch unsachgemäßes Stimmen zerstört. Viele Pfeifen, insonderheit die der Trompete 8’ versagen infolge des letzteren Umstandes ganz.

1947 Aufmessung der Orgel durch Orgelbauer Rudolf von Beckerath (Hamburg) im Auftrage des Landeskirchenamtes Hannover. In seinem Bericht heißt es u.a.: Ganz altes Etikett auf der Innenseite des Prospektes, auf dem mit Tinte geschrieben noch schwach erkennbar folgende Inschrift: „Anno domini 1681 Joachim Richborn“. Das Werk, das von ungewöhnlicher Schönheit gewesen sein muß und hinsichtlich Intonation, was äußerst selten ist, fast unverändert geblieben ist, ist baulich in so alarmierendem Zustand, daß eine sofortige Reparatur dringend notwendig ist, falls man das kostbare Werk nicht ganz verlieren will. Es ist wohl das älteste unverändert gebliebene Werk Ostfrieslands, dessen Pfeifenwerk noch in erstaunlich gutem Zustande ist, nur die Köpfe (aus Lindenholz) der Trompete sind verwurmt. Die Windlade ist völlig aus dem Leim. Klaviaturbeläge fehlen zum Teil, und die Mechanik ist gänzlich ausgespielt. Dringend notwendig zur Erhaltung der Orgel ist das Herunternehmen der Lade vom Lager, völliges Neuverleimen, gänzliche Überholung und Anfertigung neuer Vorreiber für die Spunde der Windkästen. Neubelegen und Befilzen der Klaviatur. Austuchen bzw. Polstern der gesamten Mechanik. Neuanfertigung der Gewindedrähte und neue Ledermuttern mit Filzscheibchen. Für Trompete 8’ müssen neue Köpfe aus Eiche angefertigt werden, einige fehlende Pfeifen sind zu ergänzen. Der Winddruck ist mit 73 mm WS zu hoch und auf 55 bis maximal 60 mm herabzusetzen. Dann äußerst behutsame Nachintonation unter vorsichtiger Entfernung der vorhandenen Kernstiche.

1949 Gründliche Reparatur durch Alfred Führer (Wilhelmshaven). Laut Führers Kostenanschlag vom 07.04.1949 und Abnahmebericht von Orgelrevisor Wolfgang Pahlitzsch vom 28.01.1950 wurden folgende Arbeiten durchgeführt: Gründliche Reinigung aller Orgelteile; Reparatur der Windladen: auseinandernehmen, neu verspunden und abrichten, Schleifenbahnen neu beledern, Ventile neu befilzen und beledern, sämtliche Ventilfedern und Pulpeten erneuern, Mechanikdrähte (zum größten Teil oxydiert) erneuern, Ventilkasten und Pulpetenboden mit Leder aufschrauben, sämtliche Pfeifenstöcke abrichten, verwurmte Haltebretter und Halteleisten erneuern, Ventilkastenspunde neu einpassen und sauber abdichten; Reparatur der Spielmechanik: sämtliche Anfaßpunkte mit Kerntuch auslegen, sämtliche Achsen in den Wellen und Wellenträger im Wellenbrett erneuern; Registermechanik in allen Teilen, die ausgearbeitet sind, erneuern, sämtliche Achsen, die im Laufe der Zeit durch Eisennägel und Drähte ersetzt waren, erneuern (mit 4mm Broncedraht); laut Pahlitzsch (nicht Führer) auch neue Manual- und Pedaltastaturen; Reparatur der gesamten Gebläseanlage; Reparatur der Rückwand des Gehäuses, von dem viele Teile fehlten; Reparatur sämtlicher beschädigter Pfeifen, Erneuerung der beschädigten Stimmränder und der vom Oxyd zerfressenen Pfeifenfüße, Beseitigung der vorhandenen Kernstiche, Ersatz vollständig unbrauchbarer Pfeifen in derselben Mensur, Einbau einer neuen Trompete 8’ an Stelle der „vollständig unbrauchbaren“ originalen Trompete 8’ [nach den Mensuren der alten Trompete in neuer Bauweise mit Köpfen aus Blei, Krücken aus Phosphorbronze und Bechern aus Zink (C-h) und Kupfer (c’-c’’’) bei Giesecke (Göttingen) hergestellt. Diese bedauerliche Maßnahme wurde entgegen den Empfehlungen von Beckerath und Pahlitzsch und ohne Wissen des Landeskirchenamtes durchgeführt und bedeutet einen unersetzbaren Verlust für die sonst so vollständig erhaltene Orgel.]; Herabsetzung des Winddrucks auf 65 mm WS. Beanstandet wurden das starke Motorgeräusch, eingeschränkte Windversorgung infolge zu enger Windkanäle (vollgriffigem Spiel bei vollem Werk nicht gewachsen) und die merkwürdige Zuordnung der Tasten in der kurzen großen Oktave:
C D G E A F B H c statt C F D G E A B H c. 

1952 Die Orgel wird am 18.12. unter Denkmalschutz gestellt.
1959/60 Starke Heuler, verursacht durch Schäden an der Windlade als Auswirkungen der neuen Warmluftheizung und des besonders heißen Sommers. Zunächst bedenkliche (später vom Orgelrevisor und vom LKA gerügte) Notmaßnahmen eines Mitarbeiters der Fa. Führer (Anbohren der Kanzellen der originalen Windlade von unten). Später fachmännische Reparatur (Ausbau der Lade, Ausspänen der Risse in den Spunden der Lade oben und unten und Neubelederung der Schleifenbahnen) durch Führer.

1962 Abschließendes Gutachten zu obigem Vorgang von Pahlitzsch: der Kreuzbalken hatte sich verzogen und losgelöst.

1969 Entdeckung von Holzwurmschäden im Fußboden der Orgelempore und im Orgelgehäusedach. Dazu Vermerk des landeskirchlichen Orgelsachverständigen Helmut Winter mit der zusätzlichen Bemerkung: An der Orgel fehlt ein Stimmgang. Dies kann sich auf die Pflege der Orgel nachteilig auswirken, eine Gefahr für den Orgelstimmer und evtl. auch für das historische Pfeifenwerk werden.

1972 Erneuerung des stark wurmgeschädigten Fußbodens der Orgelempore aus 4 cm starkem Pitchpineholz (wofür die Orgel nach der Planung des Orgelrevisors Ferdinand Tesmer durch die Fa. Führer zunächst vor- und dann wieder zurückversetzt wurde), sowie des vollkommen vom Wurm zerfressenen Tonnengewölbes über der Orgel mit Einbringen einer Ansaugöffnung für das auf dem Dachboden untergebrachte Orgelgebläse. 

1977 Bericht des Orgelbaumeisters Schild (Fa. Führer): Windlade und Windkanäle durch die heizungsbedingte enorme Wärme und Trockenheit sehr undicht geworden (bereits nach zweistündiger Heizungsdauer war es auf der Empore weit über 20° warm).

1984 Kostenanschlag Alfred Führer für die Restaurierung der Orgel.

2006 Rahmenplanung für die Restaurierung

Reinhard Ruge

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland