Cappel, St. Peter und Paul
Orgel von Arp Schnitger (1680)

Kontakt:
E-mail: info(at)orgelakademie.de | Navigation: Arp-Schnitger-Straße 12, 27632 Cappel

Informationen in Kürze

Durch die Arp-Schnitger-Orgel, eine der am besten erhaltenen Orgeln aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters, ist Cappel weltbekannt geworden. 1680 für die Kirche des St.-Johannis-Klosters in Hamburg erbaut, wurde sie 1816 für 600 Taler an die Gemeinde Cappel verkauft, die sich für ihr 1806 abgebranntes und bald wieder neu aufgebautes Gotteshaus eine neue Orgel nicht leisten konnte.

Cappel, St. Peter und Paul, Schnitger-Orgel

Cappel, St. Peter und Paul

Bilder

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Daten zur Orgel:

Disposition:
(30 / HW/RP/Ped)

Hauptwerk
Principal 8' S
Quintadena 16' r
Hollfloit 8' r
Octava 4' r
Spitzfloit 4' S
Nasat 3' r
Gemshorn 2' r
Rauschpfeife II S
Mixtur V-VI S
Cimbel III S/B
Trompet 8' r


Rückpositiv
Principal 4' S
Gedact 8' r
Quintadena 8' S
Floit 4' S
Octava 2' S
Siffloit 1 1/2' S
Sesquialtera II S
Tertian II S
Scharff IV-VI S
Dulcian 16' S


Pedal
Untersatz 16' r
Octava 8' r
Octava 4' S
Nachthorn 2' S
Rauschpfeife II S
Mixtur IV-VI S
Posaun 16' S
Trompet 8' r
Cornet 2' B/S

Pfeifenwerk:
r = aus der Vorgängerorgel (von einem unbekannten Meister der Spätrenaissance)
S = Schnitger (1680)
B = Rudolf von Beckerath (1977)

Manualumfang: C, D, E, - c''' (das Manual ist mit kurzer Oktave gebaut und hat doppelte Obertasten für Fis und Gis)
Pedalumfang: C, D, Dis, E - d'
Manualkoppel / Tremulant / Cimbelstern

Winddruck: 68 mm WS
Tonhöhe: ca. 3/5 Ton über normal
Stimmung: gleichstufig (seit 1816)

Bau-/Restaurierungsgeschichte

1810 fiel die mittelalterliche Kirche in Cappel einem Brand zum Opfer, ebenso eine erst 10 Jahre alte Orgel von dem Stader Orgelbauer Georg Wilhelm Wilhelmy.
Danach wurde ein klassizistischer, schlichter Saalbau errichtet.
danach war man gezwungen, da man kein Geld für eine neue Orgel hatte, ein gebrauchtes Instrument zu erwerben.

In einem Brief an die Kirchengemeinde Kehdingbruch, wo man eine neue Orgel von Georg Wilhelm (Sohn von Georg Wilhelm Wilhelmy ) kaufen wollte, hatte man sich ebenfalls um eine gebrauchte Orgel bemüht, wird die jetzt in Cappel stehende Schnitger-Orgel angeboten. In diesem Schreiben (1815) eines Hamburger Geschäftsmannes heist es:

Zwei Orgeln sind hier zu verkaufen, eine Aus der Johannis- und die Andere aus der heil. Geist-Kirche für erstere fordert man den sehr geringen Preis von Rthlr 600 – für die Andere welche sogar einige Stimmen weniger hat wird Rthlr 1000 gefordert. Die Orgel der JohannisKirche welche zu kaufen empfohlen wurde, ist von einem geschickten Orgelbauer, Namens Arpo Schnitger, erbauet. hat 30 klingende stimmen, alle von Metall(,) 6 Bälge Die Disposition derselben ist folgende

Hauptwerck
Principal 8 Fuß
Quintadena 16 "
Hohlflöt 8 "
Octav 4 "
Spitzflöth 4 "
Rauschpfeif 2 fach
Nassat 3 Fuß
Gemshorn 2 "
Mixtur 4,5, u. 6 fach
Zimbel 3 fach
Tro(m)pet 8 Fuß

Rückpositiv
Principal 4 Fuß
Quintadena 8 “
Gedact 8 “
Flöte 4 "
Octav 2 "
Siffflöthe 1 ½ "
Tertian 3 (fach)
Scharf 5 u. 6 fach
Dulcian 16 Fuß
Sexquialter 2 fach

Pedal
Untersatz 16 Fuß
Posaun 16 "
Trompet 8 "
Trompet 4 "
Octav 8 "
Octav 4 "
Nashorn (!) 2 "
Rauschpf. 2 (fach)
Mixtur 4 u. 5 (fach)

Da diese Orgel nun viel zu groß wenn man
die ganze Stärke derselben gebrauchen wol-
te, für die dortige Kirche seyn würde; so
könnte man (1 tens) verschiedene kleine Schrey-
Hälse von Pfeiffen welche an einer großen
Kirche nur nothwendig sind, herauswerfen. Hier-
aus entstünde sogar für die zukunft der Vor-
theil, dass sie mit weniger Umstände und
mit mildern Kosten dermahlen reparirt und
durchgestimt werden kann.
Diese kleinen Pfeiffen waren wenigstens
dem Gemüthe nach etwas Geld währt.

Diese Orgel war 1680 von Schnitger in seiner Stader Werkstatt erbaut worden und in der Hamburger Klosterkirche St. Johannis aufgestellt worden. Das Kloster war während der napoleonischen Besetzung säkularisiert worden und fand als Magazin Verwendung.
Mit dieser Orgel begründete Schnitger seinen guten Ruf als Orgelbauer in Hamburg.
Die Disposition der Orgel sandte Schnitger als „Werbematerial“ nach Basedow/Mecklenburg, wo diese originale Handschrift noch heute im Pfarrarchiv aufbewahrt wird.

Schnitger verwendete beim Bau der Orgel ältere Register des 16. Jahrhunderts aus der Vorgängerorgel. Die Klangwirkung in der Hamburger Kirche muss verhältnismäßig sanft gewesen sein. Kraft und Fülle gab z.B. die obertonreiche Renaissancetrompete im HW. Im Pedal ist bemerkenswert, dass Schnitger hier eine Terzmixtur baute, was ungewöhnlich für seinen Baustil ist.
Das schön gestaltete Schnitzwerk der Orgel stammt von Christian Precht, dem bedeutenden Hamburger Schnitzer und Bildhauer, den Schnitger beim Bau der Orgel in St. Cosmae/Stade kennen gelernt hatte und mit dem er später häufig zusammen arbeitete.
Nach der Aufstellung der Orgel in Cappel durch Georg Wilhelm (Stade) fand das reiche Schnitzwerk der Orgel keinen Platz mehr u.a. auf der Orgel. So wurde es im Kirchenraum verteilt. Die Orgel wirkt in diesem Kirchenraum zwar Kräftig und intensiv im Klang, doch durch die ursprünglich sanfte Intonation fügt sie sich verhältnismäßig gut in den neuen kleinen Kirchenraum ein.
Wilhelm stellte das Instrument nahezu unverändert in Cappel wieder auf. Lediglich veränderte er die bis dahin mitteltönige Stimmung der Orgel in eine damals modere gleichstufige Stimmung. Seither ist die Orgel nicht verändert worden. selbst die zinnernen Prospektpfeifen blieben erhalten. da sie dunkel oxydiert sind und wenig zinnern aussehen, entgingen sie der Beschlagnahmung im 1. Weltktrieg.
Der Orgelbauer R. von Beckerath pflegte das Instrument behutsam und erhielt es in seiner prachtvollen Klanglichkeit.
Das Instrument gilt heute neben der Steinkirchener Schnitger-Orgel als das am besten erhaltene Instrument Schnitgers mit einer unveränderten Intonation.
Die Schallplatteneinspielung von Bachwerken durch Helmuth Walcha in den 50 Jahren machten diese Orgel weltberühmt.

In Cappel ist bis heute die originale Zusammensetzung der Cimbel III im Hauptwerk als Quart-Sext-Cimbel nicht wiederhergestellt worden, wie es 1977 für eine unbestimmte Zukunft wohl prophylaktisch angedeutet wurde.

Literatur:
Winter, Helmut, Cornelius H. Edskes, and Urs Boeck.
Die Schnitger-Orgel in Cappel. St. Petri und Pauli. Hrsg. v. Helmut
Winter. Vol. 2, Orgelstudien. Hamburg: Wagner, 1977. auf Seite 26
unten.
Orgelakten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Akten des Orgelsachverständigen Martin Böcker

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland