Himmelpforten, St. Marien
Orgel von Hans Scherer d.Ä. (1587-1590)

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Informationen in Kürze

1587 bis 1590 baute Hans Scherer d.Ä. (Hamburg) und Antonius Wilde unter Verwendung älterer Register eine Orgel für die Kirche St. Nicolai zu Stade. 1677 wird sie von Arp Schnitger umgebaut. 1834 wurde die Stader Nikolaikirche geschlossen und abgerissen.
Der Orgelbauer Peter Tappe (Verden) kauft die Orgel an und stellt Hauptwerk, Brustwerk und Pedal mit neuem Prospekt 1834/1835 in Himmelpforten auf (Das Rückpositiv wird nach Kirchlinteln verkauft). 1955/1956 geschieht ein durchgreifender Umbau durch Paul Ott (Göttingen) und 1987 setzt A. Führer (Wilhelmshaven) die Orgel nach einer Kircherenovierung in Stand. Leider gibt das Orgelwerk die qualitätsvollen Klänge Scherers nur noch in Maßen wieder.

Himmelpforten, St. Marien, Scherer-Orgel

Himmelpforten, St. Marien

Bilder

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Daten zur Orgel:

Disposition:
(24 / HW/BW/Ped)

Hauptwerk
Quintadena 16' (zum großen Teil alte Pfeifen)
Prinzipal 8' (neu)
Rohrflöte 8' (viele alte Pfeifen)
Octave 4' (zum großen Teil alte Pfeifen)
Blockflöte 4' (gedeckt; alt)
Nasat 2 2/3' (konisch; alt)
Oktave 2' (alt)
Mixtur 4-6 fach (neu)
Terzimbel 3 fach (neu)
Trompete 8' (C - Gis alte Becher, sonst neu)
Vox humana 8' (neu)

Pedal
Subbaß 16' (C - Gis 7 Holzpfeifen, Rest Metall; neu)
Oktave 8' (neu)
Oktave 4' (einige alte Pfeifen)
Nachthorn 1' (neu)
Mixtur 5 fach (neu)
Posaune 16' (neu; Becher, Köpfe, Stiefel und Kehlen z.T. alt)
Trompete 8' (neu; Becher z.T. alt)
Cornet 2' (neu)

Brustwerk
Gedackt 8' (Holz; alt; Fis und Gis neu)
Flöte 4' (Holz; alt; Fis und Gis neu)
Blockflöte 2' (konisch; alt; Fis und Gis neu)
Regal 8' (alt; Fis und Gis neu)
Scharff 2 fach (neu)

Manualumfang: CDE - c'''
Pedalumfang: CDE - d'
Manualkoppel

Magazinbalg

Tonhöhe: normal
Stimmung: gleichschwebend

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland

Bau-/Restaurierungsgeschichte

Kurzer Abriss der Baugeschichte

1587 bis 1590 Hans Scherer d.Ä. (Hamburg) und Antonius Wilde unter Verwendung älterer Register für die Kirche St.Nicolai zu Stade

1834/1835 Peter Tappe (Verden) stellt Hauptwerk, Brustwerk und Pedal der Nicolai-Orgel mit neuem Prospekt in Himmelpforten auf (Das Rückpositiv wird nach Kirchlinteln verkauft)

1955/1956 Umbau durch Paul Ott (Göttingen)

1987 A. Führer (Wilhelmshaven) Instandsetzung der Orgel nach Kirchenrenovierung

Die Kirche

Die Kirche St. Marien wurde in den Jahren 1738 geweiht und bis 1788 endgültig fertig gestellt. Vor diesem Neubau bestand seit etwa 1330 an derselben Stelle das Nonnenkloster „Porta Coeli“, deren Konventualinnen ihr Leben nach den Gewohnheiten der Zisterzienser führten. Diese Klosterkirche war auch zugleich Kirche für die Bürger des Ortes Eulsede. Dieser Name verschwand aber bald und man nannte das Dorf Himmelpforten, die deutsche Übersetzung des lateinischen „Porta Coeli“.
Nachdem ca. 1556 die Reformation in Himmelpforten eingeführt wurde, blieb das Kloster als evangelisches Damenstift bestehen. Am Ende des 30-jährigen Krieges wurde dieses Kloster säkularisiert. Im 18. Jahrhundert war die alte stattliche Klosterkirche so baufällig, dass man sie Abriss und eine neue Kirche baute. Lediglich der östliche Teil der Nordmauer blieb erhalten.
In dem als typische Saalkirche des 18. Jahrhunderts errichteten Kirchenraum fällt als erstes der 1737/38 von J.A. Relling erbaute Kanzelaltar mit seitlichen Priechen in den Blick. Weiterhin sind von der Einrichtung neben einem Epitaph für die Äbtissin des ehemaligen Damenstiftes Maria von Weyhe (gest. 1616) 15 Passionsgemälde erwähnenswert. Diese Gemälde zieren die Brüstung der seitlichen Empore und stellen 15 Szenen der Leidensgeschichte Jesu dar. Diese Gemälde stammen, wie auch die Orgel, aus der ehemaligen Stader Nicolaikirche und wurden 1834 nach Himmelpforten verbracht. Die Gemälde sind aufgrund des Stifterwappens auf eine Entstehungszeit um 1620 zu datieren.

Die Geschichte der Himmelpfortener Orgel

Im Jahre 1834 erwirbt die Kirchengemeinde Himmelpforten eine gebrauchte Orgel, die der Verdener Orgelbauer Peter Tappe in Stade erwerben konnte und der Kirchengemeinde in Himmelpforten z.T. verkauft. In Himmelpforten war bisher vor diesem Ankauf kein Instrument nachzuweisen.

Diese Orgel, die Tappe erwarb, war die der Kirche St. Nicolai in Stade. Das Instrument baute Hans Scherer der Ältere mit seinem Meistergesellen Antonius Wilde in den Jahren 1587 bis 1590, wobei er bereits älteres Pfeifenmaterial aus einer Vorgängerorgel (?) verwendete.

Das Instrument wurde in den Jahren 1609 und 1667 bis 1669 von nicht bekannten Orgelbauern repariert. Bei diesen Reparaturen ist von einer Veränderung der Disposition und anderer technischen Gegebenheiten auszugehen. 1677 wird der Prospekt von Arp Schnitger im Zuge von Umbaumaßnahmen in der Kirche verändert. Neben diesen Veränderungen liefert er auch neue Stimmen. Für seine Arbeiten bekommt Schnitger 151 Pfund Blei und 200 Mark Arbeitslohn.
Schnitgers Hamburger Konkurrent Otto Dietrich Richborn führte 1709 eine Reparatur durch, die er wohlmöglich im Auftrage Schnitgers erledigt.

Im 18. Jahrhundert sind weitere Reparaturen für die Jahre 1736, 1749/50 (Dietrich Christoph Gloger) und 1759 (wiederum Gloger ?) belegt. Bei der Instandsetzung durch Gloger werden 33 Register erwähnt. 1801 arbeitet nun Georg Wilhelm Wilhelmy und 1808 sein Sohn Georg Wilhelm an der Orgel.

Heinrich Renken gab die Disposition der Orgel zu St. Nicolai in Stade um 1830 wie folgt an:

Hauptwerk
Principal 8’
Hohlflöte 8’
Gedact 8’
Octave 4’
Flöte 4’
Nasat (Quint ?) 3’
Octave 2’
Mixtur 4 fach
Trompete 8’
Vox humana 8’

Positiv
Gedact 8’
Principal 8’ (Discant)
Principal 4’
Flöte 4’
Nasat 3’
Octave 2’
Waldflöte 2’
Sesquialtera (2 fach)
Scharf
Ducian 16’
Regal 8’

Brustwerk
Flöte 4’
Blockflöte 2’
Scharf
Regal 8’
Krummhorn 8’

Pedal
Subbaß 16’
Octave 8’
Octave 4’
Nachthorn 2’
Mixtur
Posaune 16’
Trompete 8’
Trompete 4’

Zimbelstern, Vogelgesang, Tremulant, 2 Verkoppelungen, 4 Ventile

1834 wurde die Nikolaikirche geschlossen und abgerissen. Es bestand kein weiterer Bedarf für die Nutzung der Kirche und ein Verständnis für „Denkmalpflegerische Maßnahmen“ gab es damals nicht. Einige Teile des Inventars gelangten in die Cosmaekirche, die Orgel nach Himmelpforten und Kirchlinteln. Während in Himmelpforten einige Register bewahrt blieben, blieb in Kirchlinteln nur das reich verzierte Renaissancegehäuse des Rückpositives mit den Prospektpfeifen erhalten.

Renken teilte in seiner Dispositionssammlung ebenfalls die Disposition der Scherer-Orgel mit, wie sie dann nach dem Neuaufbau hinter klassizistischer Gehäusefront der Orgel durch Orgelbauer Peter Tappe in Himmelpforten bestand:

Hauptmanual
Quintatön 16’
Principal 8’
Gedact 8’
Hohlflöte 8’
Octav 4’
Flöte 4’
Nasat 3’
Octave 2’
Mixtur 4 fach
Trompete 8’
Vox humana 8’

Brustwerk
Doppelflöte 8’
Flöte 4’
Blockflöte 2’
Regal 8’

Pedal
Subbaß 16’
Octave 8’
Octave 4’
Posaune 16’
Trompete 8’
Trompete 4’

Noli me tangere

Diese Orgel befand sich früher bis zum Eingange der Kirche St. Nikolaus 1835 in dieser Kirche zu Stade. Im Sommer 1835 wurde diese von Tappe erbaut u. das Rückpositiv nach Linteloh (Kirchlinteln) verkauft.

Im 19. Jahrhundert ist es der Stader Orgelbauer Heinrich Röver, der 1890 und 1892 die Orgel repariert und die Disposition ändert.

1955/56 erfolgte ein umfassender Umbau der Orgel durch die Fa. Paul Ott (Göttingen) unter der Fachberatung von Alfred Hoppe (Verden). Die Orgel bekommt einen neuen Prospekt, der von dem Entwurf des Hannoverschen Architekten Dr. Wolf erstellt wurde. Die Orgel bekam eine neue Windanlage, die Windladen wurden gründlich verändert, Spielschrank und Mechanik wurden erneuert. Die bis dahin alten Prospektpfeifen verschwanden. Der Umfang der Klaviaturen wird von der kurzen Oktave zu CDE – c’’’ und im Pedal von CDE bis d’ auf CD – d’ erweitert. Das alte Pfeifenwerk wurde gründlich umgearbeitet und durch Aufrücken auf „Normaltonhöhe“ gebracht und neu intoniert.
1973 wird die Orgel nochmals durch die Fa. Ott repariert und Instand gesetzt. 1982 wurde die Kirche renoviert und der Dachreiter gesichert. Im Zuge dieser Maßnahmen musste das Pfeifenwerk der Orgel abgetragen und gesichert werden. Nach den Renovierungsarbeiten wurde 1987 die Orgel durch die Fa. Alfred Führer wieder aufgebaut und gründlich überarbeitet.

Trotz aller Umarbeitungen der Orgel und des Pfeifenwerkes ist mit den alten Registern des Brustwerkes noch die ursprüngliche Klangqualität der Orgel Scherers zu erahnen.
Eine Restaurierung des historischen Pfeifenwerkes und eine Neukonzeption der Orgel im Sinne Scherers wären wünschenswert, um dieses bedeutende Pfeifenwerk der Renaissance in seiner ungehörten Klangeigenschaft wiedererstehen zu lassen.