(S = Schnitger / K = Kemper)
Manualumfang: CDEFGA – c’’’, Pedalumfang: CDE – d’, „Glockenspiel“
(Akkordglocken ohne Stern; Furtwängler), Vogelgesang (K), Tremulant
BW (K) Manualkoppel,
2 Schwimmerbälge, Tonhöhe: ca. ½ Ton über normal
Nach der Fertigstellung der Orgel geriet die Kirchengemeinde
unverschuldet zwischen die Fronten eines Streites. A. Hoppe hatte
nach der Fertigstellung die Orgel abgenommen und es war ein Fest
zum Abschluss der Arbeiten am 19. Juni 1966 gefeiert worden. Das
Landeskirchenamt setzte ein Jahr später eine Kommission ein, zu der
A. Hoppe, Hans Jendis (Göttingen) und Helmut Winter (Hamburg)
gehörten. Hoppe verwies auf sein Gutachten und wirkte in der
Kommission nicht mit. Die anderen Fachleute kamen zu dem Ergebnis,
die Abnahme der Arbeiten ablehnen zu müssen. Der Ausgang der
gravierenden Meinungsunterschiede ist nicht bekannt.
1978 Nach dem Tod von Emanuel Kemper im Jahr 1978 und der Auflösung der
Firma übernimmt Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) die
Pflege der Orgel. Neben dieser Pflege geschah im Hinblick auf die
Verbesserung der Orgelsituation nichts. Zu sehr wirkte der
„Orgelstreit“ nach. Der Kirchenvorstand lehnte 1995 eine Beratung
im Hinblick auf eine Restaurierung der Orgel durch die
Orgelsachverständigen Uwe Droszella und Albrecht Ubbelohde ab.
2000 Nach Kirchenvorstandswahlen findet sich ein kleiner Kreis von
neuen Kirchenvorstandsmitgliedern, Pastor Bodo Kromus, Organistin
Sonja Haack mit dem Orgelsachverständigen Martin Böcker zusammen,
um eine Restaurierung der Orgel zu erörtern. In einem Gemeindeabend
wird der Kirchengemeinde die Orgelsituation mit ihren Problemen
nahe gebracht. Es bildet sich der Arp-Schnitger-Kreis e.V., der
sich zur Aufgabe gemacht hat, die Orgelrestaurierung ideell und
finanziell voranzutreiben.
Das Landeskirchenamt setzt aufgrund der sehr positiven Entwicklung
bezüglich der Orgelfrage in Hollern am 28.3.2001 einen
Sachverständigenausschuss (im Folgenden kurz: SVA) ein. Dem SVA
gehören folgende Experten an:
Martin Böcker (Stade; Vorsitzender des SVA), Hans-Ulrich Funk
(Herzberg), Peter Golon (Stade), Dipl. Ing. Klaus Lünstedt (Amt für
Bau- und Kunstpflege Verden)
Prof. Harald Vogel (Osterholz-Scharmbek)
2002 Am 2.12. beschließt der Kirchenvorstand, nachdem eingeholte
Kostenvoranschläge gesichtet und geprüft worden sind, dass die
Arp-Schnitger-Orgel in Hollern restauriert werden soll und wenn 60%
der Kosten angespart sind, den Auftrag der Firma Jürgen Ahrend zu
erteilen. Von Anfang an ist deutlich, dass die Restaurierung durch
den Sohn Jürgen Ahrends, Hendrik durchgeführt werden würde. 2004
erfolgt dann auch die Übergabe der Orgelbauwerkstatt an Hendrik
Ahrend.
2004 Die Arp-Schnitger-Orgel wird durch das Niedersächsischen Landesamt
für Denkmalpflege (Dr. Kimpflinger) im Sinne der staatlichen
Denkmalpflege bewertet, das Restaurierungsvorhaben befürwortet und
die Schnitger-Orgel aus historischen, künstlerischen und
wissenschaftlichen Gründen als Kulturdenkmal nach §3(2) NDSchG
eingestuft.
2005 Nach Überlegungen, das Projekt in zwei Bauabschnitte aufzuteilen,
kann im November 2005 die gesamte Restaurierung bei der Werkstatt
Ahrend in Auftrag gegeben werden.
2006 Das Orgelgehäuse wird vom Restaurierungsatelier Dietrich Wellmer
aus Groß Thondorf (bei Uelzen) untersucht und die ursprüngliche
Holzsichtigkeit des Orgelgehäuses, eine erste Farbfassung und deren
spätere Veränderungen festgestellt.
2010 Im Februar wird die Orgel abgebaut und in die Werkstatt verbracht.
Zwischenzeitlich kann mit den entsprechenden Gremien (SVA, Amt für
Bau- und Kunstpflege, Kirchenvorstand) vereinbart werden, dass die
Empore nach alten Fotos rekonstruiert wird, um eine optimale
Aufstellung der Orgel zu ermöglichen.
2011 Im Frühjahr beginnen die Rekonstruktionsarbeiten an der Empore und
der Wiederaufbau der Orgel. Durch D. Wellmer wird die historisch
erste Farbfassung inklusiv der überlieferten Sinnsprüche
wiederhergestellt. Im Mai und Juni intoniert Hendrik Ahrend die
Orgel.
Am 8. Juli findet die Abnahme der Orgel durch den
Sachverständigenausschuss in Anwesenheit des Kirchenvorstandes, des
Vorstandes des Arp-Schnitger-Kreises, Verantwortliche aus dem
Landeskirchenamt und des Orgelbauers statt. Das Ergebnis der
Restaurierung wurde als außergewöhnlich gut beurteilt und nach
einem Bespielen der Orgel durch den Vorsitzenden des SVA Martin
Böcker (Organist an St. Cosmae und Orgelsachverständiger) und Prof.
Harald Vogel fand man sich in der Kirche zu einem festlichen
„Convivium“ zusammen.
Am 28. August wird die Orgel in einem feierlich gestalteten Tag mit
Gottesdienst, Orgelführungen (S. Haack, M. Böcker H. Vogel) und
Orgelkonzert (M. Böcker) wieder eingeweiht.
Eine ausführliche Schilderung der Geschichte, Bericht des
Orgelbauers und SVAs, des Restaurators der Farbfassung etc. ist zu
lesen in:
Festschrift zur Wiedereinweihung
der durch Hendrik Ahrend restaurierten Orgel am 28. August 2011
Die Schnitgerorgel in St. Mauritius zu Hollern
Im Auftrag des Arp Schnitger Kreises – Freunde der Kirchenmusik in
Hollern-Twielenfleth e.V.
ISBN: 978-3-931879-49-5