Hollern, St. Mauritius
Orgel von Arp Schnitger (1690) Restaurierung durch Werkstatt Ahrend
(2011)
Kontakt:
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21723 Hollern-Twielenfleth
Gemeinde E-Mail: KG.Hollern-Twielenfleth(at)evlka.de
Informationen in Kürze
Am 21. September 1690 examiniert Vincent Lübeck (Stade) die gerade
durch Arp Schnitger (Hamburg) fertig gestellte Orgel in Hollern.
1858 erfolgt ein Umbau der Orgel durch Philipp Furtwängler (Elze).
Furtwängler legt statt des Brustwerkes ein Hinterwerk mit neuer
Lade und teilweise neuem Pfeifenwerk hinter dem Hauptwerk an.
1966/67 baut Firma Emanuel Kemper (Lübeck) die Orgel erneut um. Das
Oberteil des Hauptwerksgehäuses wird höher gesetzt, um Platz für
ein neues Brustwerk zu erhalten. Das Hinterwerk wird entfernt. Nach
dieser Maßnahme befindet sich die Orgel in einem klanglich
bedauerlichen Zustand. Auch in technischer Hinsicht ist der Zustand
als traurig zu bezeichnen.
Eine durchgreifende Restaurierung und Rekonstruktion ist zur Zeit
in der Orgelbauwerkstatt Ahrend, Leer, in Arbeit, die Aufstellung
erfolgt in der ersten Jahreshälfte 2011. Am 28.8.2011 fand die
Einweihung statt, es folgt ein Festwochenende im Mai 2012.
Bilder der Restaurierung und Einweihung

August 2011: Hollern, St. Mauritius nach der Restaurierung
Bilder
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Daten zur Orgel
Disposition:
(24 / HW/BW/Ped)
Hauptwerk
PRINCIPAL 8F S
ROHR FLOIT 8F S
OCTAV 4F S
NASHAT 3F S
OCTAV 2F S
WALD FLOIT 2F S
MIXTUR 4FACH A/S
CIMBEL 3FACH A
TROMMET 8F S
SCHALMEY 4FA
VOGELGESANG A
CIMBELSTERN A
TREMULANT A
VENTIEL HW A
VENTIEL BW A
VENTIEL PEDAL A
Brustwerk
GEDACT 8F A
BLOCK FLOIT 4F A
OCTAV 2F A/S
QVINT FLOIT 1 1/2F A
SEXQVIALTERA 2FACH S/A
SCHARFF 4FACH S/A
KRUMPHORN 8F A
Pedal
PRINCIPAL 16F S
GEDACT 8F A
OCTAV 4F S
MIXTUR 4FACH A/S
POSAUN 16F S
TROMMET 8F S
CORNET 2F A
Pfeifenwerk:
S = Arp Schnitger
A = Hendrik Ahrend
Manualschiebekoppel A
Manualumfang: CDEFGA – c’’’ (Klaviaturen A)
Pedalumfang: CDE – d’ (Klaviatur A)
Winddruck: 73 mm WS
3 Keilfaltenbälge (7‘ x 3 1/2‘)
Tonhöhe: ½ Ton über normal (a = 465 Hz bei 18° C)
Stimmung: mitteltönig (1/4 Komma)
Laden: HW (S), BW (A), Ped (S – Bohlenladen)
Bau-/Restaurierungsgeschichte
1135 Kolonisation Hollerns durch holländische Siedler.
1250 erster schriftlicher Nachweis zu einer Kirche in Hollern. Der
einzigartige runde Turm der Kirche (ca. 25 m hoch) gehört zum
ältesten Baubestand der Kirche.
1540 Einführung der Reformation in Hollern.
Der Kirchbau wird auf einer Wurt gegen Überflutungen errichtet. Das
Kirchenschiff ist in gotischem Stil errichtet. Von dem
ursprünglichen Bau sind die Grundmauern erhalten. Im Westen des
Kirchenschiffs sind noch Reste vermutlich romanischen
Feldsteinmauerwerks erhalten.
Der Chorabschluss der Kirche wird im 18. Jahrhundert neu
aufgemauert.
1901 wird die Kirche renoviert und erhält größtenteils neues
Mauerwerk.
Einrichtung:
Altar um 1570
Kanzel um 1670
Taufbecken ist ein altes Stück aus dem 14. Jahrhundert mit einem
Taufdeckel von 1660 und älteren Taufschranken von 1572
Dazu gehört noch der Taufengel aus dem 17. Jahrhundert, der nun
mitten in der Kirche hängt. Er diente ursprünglich als Gegengewicht
zum Taufdeckel und senkte sich, wenn man den Taufdeckel hoch
gehoben wurde.
1575 erste Erwähnung einer Orgel. „… dem Orgelmacher Dirick Hoyer aus
Hamborch thogesacht und gegeven vor die orgelen gantz unde myth
drin vorgutet und malwerk an den flogeln negentich (90) Daler.“
Diese (wohl einmanualige ?) Orgel mit Flügeltüren wird auf dem
neuen Orgellector gegenüber der Kanzel aufgestellt. Bis 1602 sind uns Nachrichten zu Reparaturen an der Orgel nachgewiesen.
Kirchenrechnungen aus der Zeit von 1608 bis 1640 sind leider
verloren gegangen.
1641 heißt es in einer Kirchenrechnung: „Nach dem Orgelmacher geben,
weil die Orgell unferdich, und die belgen undichte, zu machen 18
mk.“
1666 und 1667 weitere Reparaturen durch einen ungenannten
Orgelbauer aus Stade.
1671 Kirchenvorstand beantragt beim Stader Generalsuperintendent zum
ersten Mal einen Orgelneubau. Doch wegen kriegerischer Zeiten wird
das Vorhaben wohl zurückgestellt.
1673 Die alte Orgel erhält mit neuem Organisten auch einen neuen
Blasebalg.
1685 Eine schwere Sturmfluth („Katharinenflut“) vernichtet Leben von
Mensch und Vieh in der ersten Meile des Alten Landes, somit auch in
Hollern. Eine weitere Flut 1686 vernichtet wiederum große Teile der
Landwirtschaft.
1688 nehmen die Hollerner wieder Verhandlungen über einen
Orgelbneubau mit Arp Schnitger (1648 – 1719) auf. Schnitger, der
seine Werkstatt bereits in Hamburg hat, weilt in Stade, um die
Orgel in St. Cosmae zu reparieren und umzugestalten. Die
Orgelplanung wird durch Vincent Lübeck, Organist in Stade an St.
Cosmae begleitet. Der Stader Ratszimmermeister Andreas Henne (Hene,
Hehne) wird beauftragt, den neuen „Orgelboden“ (Orgelempore, auch
Orgellector genannt) zu bauen. Zur gleichen Zeit entsteht die
kleine Empore unter der Orgelempore, der sogenannte „Chor“ oder
„Kur“.
1689 Beginn der Orgelarbeiten (Gehäuse, Mechanik, Balghaus und Bälge)
in der Kirche.
1690 Die Orgel wird von Hamburg her per Schiff Anfang des Jahres
(Februar/März) angeliefert. Im September ist die Orgel fertig. Der
Organist Jürgen Scharnhorst stellt Verköstigung der Orgelbauer
Gesellen in Rechnung und der Jurat Jacob von Bremen schreibt: „Ist
die Neue orgel überliefert, von dem M. Arp Schnitger, und in des H.
pastoren Behausung Zu demmahl verunkostet, so ich bezahlet 39 M 8
ß.“
Diesem Festmahl vorausgegangen ist eine kritische Durchsicht und
Prüfung des Instrumentes durch Vincent Lübeck.
Ein Kontrakt oder Abnahmebericht ist nicht erhalten. Die
ursprüngliche Disposition ist in der Dispositionssammlung (ca.
1833) von Heinrich Renken (Neuenfelde/Lesum) und in den
Aufzeichnungen vom Organisten Stölting (1854) und des
Orgelbaumeisters Philipp Furtwängler (1856?) überliefert.
Die Disposition lautete:
Hauptwerk
Principal 8’ (Prosp ab E)
Rohrflöte 8’
Octav 4’
Nassat 3’
Octav 2’
Waldflöte 2’
Mixtur 4 fach
Cimbel 3 fach
Tromet 8’
Schalmey 4’
Brustwerk
Gedact 8’
Blockflöte 4’
Octav 2’
Quintflöt 1½’ *
Sexquialter 2 fach
Scharf 4 fach
Krumhorn 8’
Pedal
Principal 16’ **
Gedact 8’
Octav 4’
Mixtur 4 fach
Posaune 16’
Tromet 8’
Cornet 2’
3 Ventile – Manual Ventil, Positiv Ventil, Pedal Ventil
4 Bälgen 8 mal 4 Fuß
Cimbelstern
Tremulant
Vogelgesang
*Renken und Stölting: Quintflöte
** Prospekt ab A
1690 Die Orgel wird durch den Maler Dieterich Oberdorff farblich
gefasst.
1693 bis 1695 werden weitere Zahlungen zum Orgelneubau über Vincent
Lübeck an Arp Schnitger getätigt.
1734 Didrich Christoph Gloger (um 1705 bis 1773) aus Stade übernimmt
die Pflegearbeiten an der Orgel. Im Laufe der Jahre sind mehrere
Reparaturen der Orgel durch ihn nachzuweisen. Von 1750 bis 1772
führt er jährlich Pflegearbeiten durch. Nach Glogers Tod führen die
jeweiligen Organisten die Pflege durch.
1802 Georg Wilhelm Wilhelmy (1748 – 1806) legt eine gründliche
Reparatur der Orgel nahe, da sie „seit wenigstens 40 Jahren nicht
repariert“. Das legt nahe, dass die Pflege durch die Organisten
nicht sehr sachgemäß verlaufen ist. Die umfangreiche Reparatur
durch Wilhelmy kommt aus verschiedenen Umständen nicht zustande.
1817 Georg Wilhelm (1781 – 1858), Sohn Georg Wilhelm Wilhelmys bekommt
den Auftrag die Orgel zu reparieren und führt diese Arbeit auch
aus. Weitere Reparaturen durch Wilhelm sind bis 1827 nachzuweisen.
1856 Der Kirchenvorstand beschließt, den Orgelbauer Philipp Furtwängler
(1800 – 1867) aus Elze bei Hannover mit einer umfangreichen
Überarbeitung und Erneuerung der Orgel zu beauftragen.
1858 Furtwängler führt die geplanten Arbeiten aus und ersetzt das
Brustwerk Schnitgers durch ein „modern“ gestaltetes Hinterwerk.
Die Disposition der Orgel sieht nach diesen Arbeiten aus wie folgt:
Hauptwerk
Bordun 16’ F *
Principal 8’ S
Rohrflöte 8’ S
Octav 4’ S
Nashat 3’ S
Octav 2’ S
Waldflöt 2’ S
Sesquialtera 2 fach S/F **
Mixtur/Scharf ?
Tromet 8’ S
Hinterwerk
Geigenprincipal 8’ F
Spitzflöte 8’ F °
Salicional 8’ F °°
Liebl.-Gedackt 8’ F
Octav 4’ F
Gemshorn 4’ F
Gedackt 4’ F
Quinte 2 2/3’ F
Octav 2’ S/F °°°
Mixtur 4 fach S/F °°°
Pedal
Principal 16’ S
Octave 8’ F
Gedackt 8’ S/F+
Octave 4’ S
Bordun 4’ F
Posaune 16’ S
Trompete 8’ S
* von c – h Holz, von c‘ an Metall
** Tertia 1 3/5 fuß hat noch ein Quinten Chor 1 ½ fuß hinzu
erhalten, dazu sind die 24 ersten Pfeifen ganz neu gemacht
° große Octave mit Gambe 8‘ (sic!) verb(unden).
°° große Octave Spitzflöte, ab c offen metall
°°° C – c‘ neu
°°°° Für Scharff 4 fach ist eine große Mixtur 4 fach gesetzt, die
auf groß C mit c‘ g‘ c‘‘ g‘‘ anfängt, repetiert auf c und e‘
allemahl….(?) um ein Chor, die größeren Pfeifen alle von 4 Löth.
Metall ganz neu, die kleineren nur von alten Pfeifen.
+ C – dis neu aus Holz
(diese kursiv geschrieben Texte geben wörtlich Furtwänglers Worte
aus seinen Unterlagen wieder)
Neue Manualclaviere:
Obermanual (Positiv): C D Dis E – c‘‘‘
Untermanual (Hauptwerk): CDEFGA – c’’’
Pedalclavier (alt): CDE – d’
Manualkoppel mit Registerzug
Pedalkoppel
„Cimbelstern“ (ohne Stern)
Kalkanten Glock
Deutlich wird aus dem Studium der Quellen aus der Mitte des 19.
Jahrhunderts, dass im Zusammenhang der Orgelbaumaßnahme durch
Furtwängler die Empore nicht verändert wurde.
1859 Es gibt vom Hollerner Organisten J. v. Galen bereits heftige
Beschwerden über die schlechte Spielbarkeit der Orgel und viele
technische Mängel.
1861 und 1864 führt Fa. Furtwängler Pflegearbeiten an der Orgel durch.
1863 Seit diesem Jahr übernimmt der Stader Orgelbauer Johann Hinrich
Röver (1812 – 1895) die Pflege der Orgel. Er repariert in den
Folgejahren bis 1868 Bälge und Pfeifen.
1901 Die Kirche wird renoviert und die Empore der Orgel umgestaltet und
vergrößert, sodass die Pedaltürme zu einem Teil hinter der
Emporenbrüstung verschwinden. Dabei finden die originalen
Brüstungstafeln Verwendung.
Fortan sind die Füße und Labien der Prospektpfeifen des Pedals aus
der Kirche nicht mehr sichtbar.
Der Stader Orgelbauer Gustav Ehlers (1873 – 1938) führt im Rahmen
der Kirchensanierung auch Pflegearbeiten an der Orgel durch und
ersetzt 1911 die wohl noch originalen Keilbälge durch einen
Magazinbalg.
1928 Christhard Mahrenholz besucht die Orgel und fällt ein
vernichtendes Urteil über den Zustand der Orgel. Er empfiehlt dem
Kirchenvorstand darauf zu achten, auf die alten Bestände der Orgel
(Prospekt, Windladen, Pfeifen) acht zu geben, damit diese
unversehrt bleiben.
1937 Der erste elektrische Windmotor wird durch die Herforder
Elektricitäts-Werke Bokelmann & Kuhlo eingebaut.
1959 Gremien der hannoverschen Landeskirchliche besuchen die Hollerner
Kirche und kommen zu dem Ergebnis, da die Schnitger-Orgel
restauriert werden soll, muss auch die Emporensituation verändert,
die untere kleine Empore abgerissen, und weitere umfangreiche
Maßnahmen an der gesamten Kirche ausgeführt werden.
1961 Die Maßnahmen beginnen und die Orgel wird abgebaut. Die
Orgelempore wird auf das tiefere Niveau der 1901 erbauten
nördlichen Seitenempore gebracht und bekommt eine neue
Renaissance-Brüstung, die zuvor im Chorraum platziert war.
Hierbei versschwinden die bemalten Tafeln aus der Orgelbrüstung.
Planungen zur Wiederaufstellung der Orgel zeigen bereits hier
Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und den Verantwortlichen der
Landeskirche.
1963 Die Fa. Emanuel Kemper und Sohn (Lübeck) wird am 28. März
beauftragt, die Orgel zu restaurieren. Die Empfehlung des Verdener
Kirchenmusikdirektors Alfred Hoppe, die Fa. Kemper zu beauftragen,
wird schon zu diesem Zeitpunkt sehr kritisch betrachtet, doch Hoppe
setzt sich durch. Im Oktober 1964 baut Kemper erste Pfeifen aus. Es
wird ein neues, zu großes Untergehäuse gebaut, das die Orgel fortan
in ihrer Aufstellung mit gestörten Proportionen erscheinen lässt.
Schleierbretter werden entfernt, Traktur, Spieltisch und
Windversorgung erneuert. Die Pedaltürme werden unsachgemäß in die
Renaissance-Emporenbrüstung eingefügt. Im Brustwerk werden Laden
und Pfeifen bis auf Sesquialtera und Scharff neu gemacht, alle
alten Pfeifen werden überarbeitet und verändert. Das z.T. alte
Register Gedact 8‘ im Pedal wird endgültig eingeschmolzen. Der
Prinipal 16‘ des Pedals wird z.T. zur Octave 8‘ und zum Subbaß 16‘
umgebaut.
Im Prospekt des Pedals stehen nun die folgenden alten aber
umgebauten Pfeifen:
rechter Pedalturm: linker Pedalturm:
D* G* D** F* F** A* H* C* E* Fis* E** Gis* B* c*
* = Oktavbass 8’
** = Subbass 16’ (die ursprünglich offenen Pfeifen sind nun
gedeckt)
Die Disposition der Orgel hat nun folgende Gestalt:
Hauptwerk
Principal 8' S
Rohrflöte 8' S
Oktave 4' S
Nassat 3' S
Oktave 2' S
Waldflöte 2' S
Mixtur 4fach K
Zimbel 3fach K
Trompete 8' S
Vox humana 8' S K
Brustwerk
Gedakt 8' K
Blockflöte 4' K
Oktave 2' K
Quintflöte 1 1/3' K
Sesquialtera 2fach S/K
Scharff 4fach S/K
Krummhorn 8' K
Pedal
Oktavbaß 8' S/K
Subbaß 16' S
Oktave 4' S
Mixtur 3fach K
Posaune 16' S
Trompete 8' S
Cornett 2' K
(S = Schnitger / K = Kemper)
Manualumfang: CDEFGA – c’’’, Pedalumfang: CDE – d’, „Glockenspiel“
(Akkordglocken ohne Stern; Furtwängler), Vogelgesang (K), Tremulant
BW (K) Manualkoppel,
2 Schwimmerbälge, Tonhöhe: ca. ½ Ton über normal
Nach der Fertigstellung der Orgel geriet die Kirchengemeinde
unverschuldet zwischen die Fronten eines Streites. A. Hoppe hatte
nach der Fertigstellung die Orgel abgenommen und es war ein Fest
zum Abschluss der Arbeiten am 19. Juni 1966 gefeiert worden. Das
Landeskirchenamt setzte ein Jahr später eine Kommission ein, zu der
A. Hoppe, Hans Jendis (Göttingen) und Helmut Winter (Hamburg)
gehörten. Hoppe verwies auf sein Gutachten und wirkte in der
Kommission nicht mit. Die anderen Fachleute kamen zu dem Ergebnis,
die Abnahme der Arbeiten ablehnen zu müssen. Der Ausgang der
gravierenden Meinungsunterschiede ist nicht bekannt.
1978 Nach dem Tod von Emanuel Kemper im Jahr 1978 und der Auflösung der
Firma übernimmt Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) die
Pflege der Orgel. Neben dieser Pflege geschah im Hinblick auf die
Verbesserung der Orgelsituation nichts. Zu sehr wirkte der
„Orgelstreit“ nach. Der Kirchenvorstand lehnte 1995 eine Beratung
im Hinblick auf eine Restaurierung der Orgel durch die
Orgelsachverständigen Uwe Droszella und Albrecht Ubbelohde ab.
2000 Nach Kirchenvorstandswahlen findet sich ein kleiner Kreis von
neuen Kirchenvorstandsmitgliedern, Pastor Bodo Kromus, Organistin
Sonja Haack mit dem Orgelsachverständigen Martin Böcker zusammen,
um eine Restaurierung der Orgel zu erörtern. In einem Gemeindeabend
wird der Kirchengemeinde die Orgelsituation mit ihren Problemen
nahe gebracht. Es bildet sich der Arp-Schnitger-Kreis e.V., der
sich zur Aufgabe gemacht hat, die Orgelrestaurierung ideell und
finanziell voranzutreiben.
Das Landeskirchenamt setzt aufgrund der sehr positiven Entwicklung
bezüglich der Orgelfrage in Hollern am 28.3.2001 einen
Sachverständigenausschuss (im Folgenden kurz: SVA) ein. Dem SVA
gehören folgende Experten an:
Martin Böcker (Stade; Vorsitzender des SVA), Hans-Ulrich Funk
(Herzberg), Peter Golon (Stade), Dipl. Ing. Klaus Lünstedt (Amt für
Bau- und Kunstpflege Verden)
Prof. Harald Vogel (Osterholz-Scharmbek)
2002 Am 2.12. beschließt der Kirchenvorstand, nachdem eingeholte
Kostenvoranschläge gesichtet und geprüft worden sind, dass die
Arp-Schnitger-Orgel in Hollern restauriert werden soll und wenn 60%
der Kosten angespart sind, den Auftrag der Firma Jürgen Ahrend zu
erteilen. Von Anfang an ist deutlich, dass die Restaurierung durch
den Sohn Jürgen Ahrends, Hendrik durchgeführt werden würde. 2004
erfolgt dann auch die Übergabe der Orgelbauwerkstatt an Hendrik
Ahrend.
2004 Die Arp-Schnitger-Orgel wird durch das Niedersächsischen Landesamt
für Denkmalpflege (Dr. Kimpflinger) im Sinne der staatlichen
Denkmalpflege bewertet, das Restaurierungsvorhaben befürwortet und
die Schnitger-Orgel aus historischen, künstlerischen und
wissenschaftlichen Gründen als Kulturdenkmal nach §3(2) NDSchG
eingestuft.
2005 Nach Überlegungen, das Projekt in zwei Bauabschnitte aufzuteilen,
kann im November 2005 die gesamte Restaurierung bei der Werkstatt
Ahrend in Auftrag gegeben werden.
2006 Das Orgelgehäuse wird vom Restaurierungsatelier Dietrich Wellmer
aus Groß Thondorf (bei Uelzen) untersucht und die ursprüngliche
Holzsichtigkeit des Orgelgehäuses, eine erste Farbfassung und deren
spätere Veränderungen festgestellt.
2010 Im Februar wird die Orgel abgebaut und in die Werkstatt verbracht.
Zwischenzeitlich kann mit den entsprechenden Gremien (SVA, Amt für
Bau- und Kunstpflege, Kirchenvorstand) vereinbart werden, dass die
Empore nach alten Fotos rekonstruiert wird, um eine optimale
Aufstellung der Orgel zu ermöglichen.
2011 Im Frühjahr beginnen die Rekonstruktionsarbeiten an der Empore und
der Wiederaufbau der Orgel. Durch D. Wellmer wird die historisch
erste Farbfassung inklusiv der überlieferten Sinnsprüche
wiederhergestellt. Im Mai und Juni intoniert Hendrik Ahrend die
Orgel.
Am 8. Juli findet die Abnahme der Orgel durch den
Sachverständigenausschuss in Anwesenheit des Kirchenvorstandes, des
Vorstandes des Arp-Schnitger-Kreises, Verantwortliche aus dem
Landeskirchenamt und des Orgelbauers statt. Das Ergebnis der
Restaurierung wurde als außergewöhnlich gut beurteilt und nach
einem Bespielen der Orgel durch den Vorsitzenden des SVA Martin
Böcker (Organist an St. Cosmae und Orgelsachverständiger) und Prof.
Harald Vogel fand man sich in der Kirche zu einem festlichen
„Convivium“ zusammen.
Am 28. August wird die Orgel in einem feierlich gestalteten Tag mit
Gottesdienst, Orgelführungen (S. Haack, M. Böcker H. Vogel) und
Orgelkonzert (M. Böcker) wieder eingeweiht.
Eine ausführliche Schilderung der Geschichte, Bericht des
Orgelbauers und SVAs, des Restaurators der Farbfassung etc. ist zu
lesen in:
Festschrift zur Wiedereinweihung
der durch Hendrik Ahrend restaurierten Orgel am 28. August 2011
Die Schnitgerorgel in St. Mauritius zu Hollern
Im Auftrag des Arp Schnitger Kreises – Freunde der Kirchenmusik in
Hollern-Twielenfleth e.V.
ISBN: 978-3-931879-49-5
NOMINE MITGLIEDER:
GEFÖRDERT DURCH:




























