Reepsholt, St. Mauritius
Orgel von Johann Friedrich Wenthin (1787-89)

Kontakt:
E-mail: info(at)organeum-orgelakademie.de

Informationen in Kürze

Die Reepsholter Orgel steht - ungewöhnlich für Ostfriesland - an der Nordseite der Kirche, gegenüber der Kanzel, auf einer Empore, die den kurzen Querschiffarm ausfüllt. Ihr spätbarock-frühklassizistischer Prospekt zeigt im Mittelteil die zweistöckige Anordnung von Hauptwerk und Oberwerk in 4'-Länge. Die Außentürme zeigen die großen Pfeifen des 8-füßigen Hauptwerks. Geschwungene Linien in der Vorderansicht wie im Grundriß der einzelnen Türme und Felder prägen den Stil der Prospektgestaltung. Die gleiche Form findet sich auch bei der etwas jüngeren, schon ganz klassizistischen Wenthin-Orgel in Groothusen. Nur durch die braune Farbfassung und die geschnitzten Schleier wirkt die Reepsholter Orgel noch mehr dem Barock zugewandt.
Johann Friedrich Wenthin, der in Emden seine Werkstatt hatte, war in Ostfriesland der Konkurrent Hinrich Just Müllers und vertrat eine fortschrittlichere Linie als dieser. Er führte die Traversflöte und das labiale Cornett in die Dispositionen Ostfrieslands ein. Sein Orgelklang ist eleganter als der Müllersche. Die Reepsholter Orgel ist sein besterhaltenes Werk.

Reinhard Ruge

Reepsholt, St. Mauritius, Wenthin-Orgel

Reepsholt, St. Mauritius

Bilder

Klicken Sie bitte auf die Bilder für eine größere Ansicht!

Daten zur Orgel:

Disposition:
(17 / HW/OW/angeh. Ped)

Hauptwerk
Prinzipal (P) 8' o
Bordun 16' r/o; Vorabzug: nur Baßhälfte n
Grobgedackt 8' o
Octave 4' o
Nassat 3' o
Octave 2' o
Mixtur 4,5 u.6fach o (mit Terz)
Dulcian 16' r
Trompete 8' o

Oberwerk
Prinzipal (P) 4' o
Gedackt (Disk. ab c') 8' n
Flautotrav. 8' rr
Kleingedackt 4' o
Gemshorn 2' o
Cornett 3fach o
Scharf 3 u.4fach r
Krummhorn 8' r

Pfeifenwerk:
o = original von Johann Friedrich Wenthin (1787-89)
rr = neu von Karl Puchar in den Originalmensuren (1936)
r, n = rekonstruiert, bzw. neu von Bernhardt Edskes (1993)

Manualumfang: C - d"'
Pedalumfang (angehängt ans HW): C - d'

Manualschiebekoppel
Tremulant, 2 Sperrventile
3 Keilbälge von der Vorgängerorgel (sehr alt)

Winddruck: 95 mm WS
Tonhöhe: hoher Chorton
Stimmung: gleichstufig.

Bau-/Restaurierungsgeschichte

1640 Erste Erwähnung eines Organisten.

1656
Erste belegte Orgelreparatur durch Constantin Ibach
(Jever).

1787
Kontrakt über einen Orgelneubau mit Johann Friedrich Wenthin (Emden).

1789
Vollendung der Orgel.

1829
Kontrakt mit Johann Gottfried Rohlfs (Esens) über eine
Reparatur der Orgel. Möglicherweise Ersatz der Eichenholzpfeifen des Bordun 16' durch neue in schlechter Kiefer.

1833/34
Bemalung der Orgel durch den Maler Sasse.

1929
Reparatur der Orgel durch Furtwängler & Hammer (Hannover), dabei Erneuerung der Register Scharf, Dulcian und Krummhorn in unpassender Bauweise.

1936
Reparatur durch Karl Puchar (Norden) mit Ersatz der verwurmten Traversflöte durch eine neue aus Kiefer und Eiche in den Originalmensuren. Winddruck: 100 mm WS (1947: 65 mm WS).

1969
Verfügung vom Landeskirchenamt Hannover: schlechter technischer Zustand des an sich sehr wertvollen Instrumentes führt zu großen Windverlusten, ein Teil der Pfeifen spricht gar nicht mehr an; eine gründliche Restaurierung, die im Zusammenhang mit der geplanten Renovierung der Kirche vorgenommen werden sollte, ist nicht zu umgehen.

1975
Notdürftige Reparatur zur Wiederspielbarmachung von 6 Hauptwerksregistern durch Alfred Führer (Wilhelmshaven).

1992/93
Im Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung: gründliche Restaurierung der Orgel durch Bernhardt Edskes (Wohlen/ Aargau/Schweiz) mit Rekonstruktion der Klaviaturen, sowie der Register Scharf, Dulcian und Krummhorn, des zuvor vakanten Diskantregisters Gedackt 8', der Holzpfeifen des Bordun 16' und der Kehlen der Trompete 8'.

Reinhard Ruge

NOMINE MITGLIEDER:

GEFÖRDERT DURCH:

Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Ostfriesische Landschaft Ostfriesland Stiftung Oldenburgische Landschaft Orgelakademie Stade Landschaftverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Lüneburgischer Landschaftsverband Organeum - Orgelakademie Ostfriesland